Wiederholungen | Hormongeburtstag (18)

Kategorien Alltagstest, einsamkeit, HET, Hormongeburtstag, Männer
Verena Vermas ist 18 Monate geworden. Transition von Mann zu Frau.

Eine unendliche Wiederholung – Karussell

Hormongeburtstage werden immer mehr.  An jedem 17. des Monats vollende ich einen Hormonmonat. Das ist immer die Zeit, in der ich zurück blicke auf die letzten 30 Tage. In den Beiträgen versuche ich von Veränderungen und besonderen Erlebnissen zu berichten, die mit meiner Transition zu tun haben.

Ich bin schon wieder älter geworden! Die Zeit rinnt davon, ein Monat jagt den anderen. Manchmal denke ich zurück. Erinnere mich an das Warten auf die Hormone. Damals verging die Zeit sehr langsam. Dann der erste Monat. Da war jeder Tag anders, jeder Tag neu. Ich bin froh, dass die ersten Monate vorbei sind. Denn heute gehe ich als normale Frau durch. Letzte Woche am Freitag habe ich sogar ein zweistündiges Vorstellungsgespräch gehabt. Ohne Nervosität! Das ging letztes Jahr überhaupt nicht.

Unsere Zeit auf diesem Planeten wurde ohne unseren Willen geschaffen. Wir sind seit der Geburt Reisende. Wir sind sogar mehrfach Reisende. Denn der Planet bewegt sich mit großer Geschwindigkeit um die Sonne. Dabei dreht er sich auch noch. Und in dieser Drehung gehen wir alle Reisenden mit in der großen und unvorstellbaren Bewegung der Galaxie.

Aber damit nicht genug. Selbst wir in unserem Karussell in einer bedeutungslosen Galaxie treiben im Raum durch die dunkle Energie. Mit ihr beschleunigt sich das Universum und wir fahren alle mit.

seitliche Ansicht Transfrau Verena Vermás mit rotem Nagellack und schwarzem Kleid
Verena Vermás als Alpha-Frau im 18. Monat mit sich selbst beschäftigt.

Achtzehn Monate!

Ich habe es geschafft. Eine lange Zeit der Prüfungen liegt hinter mir. Mein Schiff liegt zwar schief, aber ich drehe das Ruder wie ich es will. Nein, das sage ich nur so zum Spaß. Ich lege mich ebenfalls in die Schräge, passe mich an, kann nicht springen, kann nicht steuern.

Die Sonne scheint von einem großen Himmel, umgekehrt wie bei Camus und seinem für mich wichtigsten Buch ‘Der glückliche Tod’. Ich habe das Buch wohl 10-mal gelesen. Seine Sprache ist von einer fremden Welt.

Sein Himmel ein reines Blau, in der eine große helle Sonne funkelt, und die Lichter über den Asphalt rinnen.

Immer wieder lese ich Camus. So auch nach meinem achtzehnten Hormongeburtstag. In diesen Tagen ist die Sonne kräftig und grell. Manchmal wünsche ich mir ein wenig Pause. Aber ich widerstehe dem Drang. Denn niemals verweigere etwas was unabdingbar, unabänderlich ist. Das Wetter ist einer dieser Faktoren.

Fremd aber angemacht

In dieser manchmal etwas trostlosen und kalten Welt, schwimme ich wie ein Fisch im Trockenen. Meine Großmutter ist fort und ich habe mit ihr die letzte Heimat verloren. So habe ich mir wieder heimatliche Rituale angewöhnt. Aber nichts ist mehr wie vorher.

Gestern wurde ich von Zaid angesprochen. Er arbeitet in Graz, er schien glücklich zu sein, obwohl mir bei seinem Vorbeigehen irgendwas an ihm nicht zu passen schien (reines Gefühl). Er wirkte irgendwie nervös. Meinte dann ich sei eine besondere und sehr schöne Frau. Oh wie ich solche Sätze liebe. Aber ich lass mich nicht einlullen. Er wollte dann meine Nummer haben. Ich sagte daraufhin: “so schnell geht das nicht!”

Er verstand.

Am Ende sagte ich, dass ich eigentlich Camus lesen wolle und jetzt auch noch aufs Klo musste. Er verstand auch diesen Wink und ging langsam zurück zu seinen Freunden, die gerade Fußball spielten.

Langsam wurde es dunkel und ich ging zurück zu meiner Wohnung auf der anderen Seite des Parks. Da rief ein Freund an. Mein Masseuer, er meint er hätte morgen einen Termin für mich frei. Wir unterhalten uns gut und ich denke, dass ich ihn sehr gern habe. Er bedeutet mir eine Art Rückzugsraum, vor der harten und kalten Welt da draußen, der ich nur mit einem Lächeln begegnen kann, sonst würde ich krank werden.

 

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