Verlust und Gewinn in der Transition | Eine XY-Frau wird 15 Monate alt (HGT 15)

Transgender Frau Verena Vermás TransArt

Eine XY-Frau wird 15 Monate alt

Stimmungen spiegeln die Wirklichkeit, spielen mit deinen Gedanken, verführen dich. Über ein Jahr nach Beginn der hormonellen Transition befinde ich mich endlich auf der anderen Seite, auf meiner Seite. Ich lerne neue Menschen kennen, ich lerne sie alle als Frau kennen. Es ist der zweite Monat meiner sozialen Transition. Heimat, Zweifel, Prüfungen und das Glück endlich seinem Wesen nach zu leben. Gedanken zum 15. Hormongeburtstag.

Transgender Frau Verena Vermás TransArt
Das Wesen einer XY-Frau

Sonne, Sommer, Regen

Nach 15 Monaten Transition schwimme ich immer noch auf der positiven Welle der Transition, weiter meiner Bestimmung entgegen. Früher schwappten diese Wellen gegen mein Inneres bis zum Durchbruch, heute nutze ich sie für meine Willenskraft. Mit der Kraft der bestandenen Prüfungen, die mich trotz Furcht und vielen schmerzhaften Verlusten nicht von meinem Weg abgebracht haben, gehe ich weiter meiner Kunst nach.

Diesen Juni (03.06.2018) werde ich also 15 1/2 Monate alt. Damit meine ich v.a. meinen Hormonhaushalt. Verena selbst, ihr offizieller Name, wird vier Monate alt. Ihre Entscheidung gegen das langsame Siechtum als Mensch mit Bart und kurzgeschorenem Kopf, ist bereits 19 Monate und 13 Tage alt. Hätte sie sich – diese Sätze sind eigentlich Nonsens aber wir verehren sie dennoch – damals im Jahre 2003 für die Dame in ihrem Herzen entschieden, wäre sie jetzt schon über 15 Jahre alt!

Unfassbar. Sehen wir es ohne Seufzer. Wenigstens haben die Hormone meinen Körper meiner Seele ähnlich gemacht und dazu auch verjüngt. Mit meinen 34 Jahren bin ich in die weibliche Pubertät gekommen. Wer kurz nachdenkt kann sich vorstellen wie schön das sein muss. Ach und es ist noch viel schöner, es ist wahr.

Eine Transfrau beginnt ihre Hormontherapie

Hormonindikation

Als XY-Frau muss man ja einiges tun, um die harte männliche Schale abzustreifen. Neben der Epilation (bitte nur Laser und Nadelepilation! IPL ist für die Katz) sind es die Hormone, die unseren Körper und Geist verweiblichen. Hier nochmal ein Dankeschön an all die schönen kleinen Tablettchen. Hier werden auch Anhänger der Homöopathie eines besseren belehrt. Mit Bachblüten wirst du nicht weiterkommen.

Aber zum Konkreten: vom 17.02.2017 bis 01.01.2018 habe ich täglich 100 mg Androcur, 100 mg Aldactone und 8 mg Estrofem genommen (das sind die Medikamentbezeichnungen, kann je nach Hersteller abweichen). Weil die Depressionen und die Antriebslosigkeit v.a. durch das Androcur und einen starken Vitamin D-Mangel zugenommen hatten, entschloss ich mich ab Januar 2018 nur noch die Hälfte des Androcur zu nehmen. Das Zeug geht auch schwer auf die Leber und erhöht das Krebsrisiko. Allmählich ging es mir besser.

Im März habe ich dann Androcur nochmals um die Hälfte reduziert und die Aldactone, v.a. wegen der trockenen Haut abgesetzt. Seit März 2018 nehme ich täglich 25 mg Androcur und 6 mg Estrofem. Seit der Reduzierung der Medikamente geht es mir entschieden besser. Körperlich wie psychisch.

Das Privileg Trans* sein zu können

In den letzten Wochen erhalte ich öfter Nachrichten von Lesern meines Blogs. Ich freue mich sehr darüber, über die Anteilnahme, über mögliche Hilfestellung durch meinen Weg, den ich bereits zurück gelegt habe. Nach dem letzten Blog-Eintrag, der etwas düstere und schlechte Kindheitserinnerungen aus der Schulzeit hervorbrachte, will ich wieder etwas mehr aus meinem momentanen Leben schreiben.

Auch wenn es manchmal etwas länger dauert mit der Antwort, ich lese Eure Zeilen aufmerksam durch und schreibe sobald wie möglich zurück.

Vieles was ich schreibe, ist beeinflusst von meiner Stimmung (die Stimmung ist wie das Wetter), manchmal geht es mir gut, manchmal schlecht. Das ist bei allen Menschen so und bei uns auch. Jedoch mit dem Unterschied, dass die Faktoren und die Wirkungen oft etwas modifiziert sind. Manchmal fühle ich eine innere Freude, die dann im Spiegel ihre Entsprechung findet. Dann lächle ich und wenn ich Lust habe schminke ich mich.

Trotzdem gibt es auch viele Regentage, an denen man sich nach dem Licht einer inneren Sonne sehnt. An diesen Tagen erwache ich mit einem schweren Herzen und will gar nicht erst aufstehen und fahre, wenn ich genervt bin, einen imaginären Mittelfinger aus vor das Fenster und über die Straße, wo die verkabelten Roboter laufen.

Jeder Mensch sieht sich wechselnden Zuständen seiner Seele gegenüber. Die Transition verstärkt dieses Schwanken. Die Gefühls-Schaukel hat bei uns gewiss einen weiteren Ausschlag als bei Menschen, die nicht durch die Transition gehen.

Dafür spüren wir auf der anderen Seite ganz stark das Glück endlich sein zu können, was man so viele Tage, für so viele Jahre geheim gehalten hatte. Für den Cis-Normalo-Menschen gibt es dieses Glück nicht, sie sind was sie immer waren, sie spüren ihr Privileg nicht. Wir müssen es uns hart erkämpfen, genießen es aber tausendmal mehr!

Ich weiß wovon ich rede, ich sehe wie viele Menschen sich schon mit Anfang 20 konsolidieren und sich in einem Hamsterrad einschließen für den Rest ihres Lebens den gleichen Job machen, das Gleiche essen, den gleichen Urlaub machen, einfach immer das Gleiche für den Rest ihres kurzen Lebens.

Wir Trans* dagegen, können uns egal in welchem Alter neu erfinden! Was für ein unglaublich schönes Privileg. Trans*Sein ist super. Wäre da nicht die Ablehnung der Gesellschaft, die trotz positiver Tendenzen immer noch vorhanden ist. Aber trotzdem, wir gehen in die Transition nicht für die anderen, sondern NUR für uns selbst. Das ist unsere Sache, geht niemanden was an. Das ist die Basis.

Der Rest löst sich von alleine. Menschen verschwinden aus unserem Leben, wir werden aber schöner, so schön wie nie zuvor. Ein Schmetterling verlässt auch den Boden. Unser Wesen leuchtet. Menschen, die empfänglich dafür sind, helfen uns in den Krisen, sie bewundern uns und folgen unseren Gedanken. Wir haben positiven Einfluss auf die Gesellschaft! Aber nur wenn diese offen für uns ist.

Wichtig zu verstehen ist, dass der Wille für das eigene Wohlergehen nichts mit Egoismus zu tun hat, sogar das Gegenteil ist der Fall. Werden wir glückliche Menschen, so kann sich das auf unsere Umwelt übertragen und umgekehrt. Wenn wir nicht auf uns hören und in Depression und Selbstzerstörung fallen, dann leidet auch die Gesellschaft um uns herum. Unser Kampf für uns selbst ist unser Geschenk. Wertvoll so wie es ist.

Ich habe mich aus der eigenen Gefangenschaft befreit, ich bin nicht den Weg in die Depression, in den Alkoholismus oder in die körperliche Selbstzerstörung weiter gegangen, auf dem ich im Jahr 2016 unterwegs war. Durch eine Häufung dramatischer Erlebnisse und einem Identitätsverlust, stand ich 13 Jahre später wieder vor einer Türe. Diesmal ging ich durch sie hindurch.

Die innere Tür in eine neue Heimat

Ölbild des Kometen "Tschuri" von Verena Vermás 2018
Tschurjumow-Gerassimenko – Der Beginn
Verena Vermás
2018
60 x 60 cm
Öl auf Leinwand
Prozess I
29.04.2018

Plötzlich stand ich im strömenden Lichteinfall, mit dem Blick in eine Welt, die ich bis dahin nur im Traum erlebt habe. Der Weg beginnt, die Schaukel schwingt und du fährst diesmal mit. Kein Ausweichen mehr vor dem Bestimmten, vor der Sehnsucht.

Diese Welt kommt aber nicht mit offenen Armen. Im Traum sind wir meistens schon das was wir sein wollen. Wir überspringen die ganzen anstrengenden Momente. In der Realität sieht es anders aus.

Viele schwierige Prüfungen sind zu bestehen. Entscheidest du dich für deinen Weg, wirst du froh sein über Menschen, die dir 100% zur Seite stehen. Sieh nach, versuche dir vorzustellen wer von deinen Freunden, wer dir aus deiner Familie für immer treu sein wird. Vielleicht brauchst du auch, so wie ich eine zweite Heimat. Für mich ist es die Kunst, ist es die Natur, die Berge, sind es Freunde. Ist es Vertrauen in mich selbst.

XY-Verena erblickt den Frühling

Der Weg dorthin beginnt hinter der Türe. Die Anerkennung deines Seins, deiner Persönlichkeit war der Türöffner. Mit einem Teil von mir, habe ich die Welt des über mich Herrschenden erschaffen. Ich rief ihn ins Leben, da war ich etwa sieben Jahre alt. Später, in der Pubertät, verbündete sich nun auch der eigene Körper mit der Männerwelt. Der Ursprung des Selbsthasses. So träumte ich plötzlich von der Entfernung des hässlichsten Teils von mir. Aber ich gab nach, es war zu schwer, sein zu können was ich war.

Von da an übernahm er die Kontrolle über das Wesen, das aus dem Licht in die Dunkelheit gehen musste. Es war Verena (den Namen suchte ich mir im Alter von etwa 6 Jahren aus, als ich ein Mädchen sah, das mir ähnelte und ich so sein wollte wie sie, komischerweise blieb dieser Name in mir über 28 Jahre konstant), die ich in den dunklen Raum einsperrte.

In einem Raum aus Elfenbeinschwarz sah ich ihre Gestalt langsam erstarren. In einem Haus aus entstellten Figuren wuchs ein Dornengebüsch und begann gegen das Innere zu drücken.

Ich unternahm alles, um gegen den stechenden Schmerz anzukämpfen. Nichts half mir wirklich. Ich unterdrückte und ließ, manchmal geschehen. Es war ein wahnsinniger Kreislauf. Das Zurückhalten war zum Scheitern verurteilt, denn sie klopfte gegen die Tür und zwar täglich. Manchmal stärker, manchmal hörte ich sie nicht, aber zum Schluss brach sie aus ihrem Verlies hervor und da war es für ihn schon zu spät, seine Kontrolle wieder zurück zu erlangen. Er hatte keine Kraft mehr sie einzusperren, er wollte es auch gar nicht, er sah nicht einmal mehr einen Sinn darin. Also ließ er mich zu.

Auf meiner Reise durch das Leben gab es bisher zwei schwere Krisen, also zwei Möglichkeiten mein Wesen anzuerkennen. Beide Ereignisse, die mich vor die Tür der Entscheidung gestoßen haben, lagen 13 Jahre auseinander. Jetzt sitze ich in der Schaukel eines anderen Lebens, das ich so gesucht habe. Ich bin eine Frau. Auch außen.

Ich lebe auf der anderen Seite. Jetzt und für den Rest des Lebens. Auf meinem Grabstein wird Verena stehen. Falls ich je einen haben sollte.

Im Schwung zur Freude kehre ich zurück in die Traurigkeit und begreife nicht, warum nicht alles so klar und schön wie ein lichter kühlblauer Frühlingshimmel sein kann.

Muskelschwund und Männerklamotten

Vor einem Jahr war ich wieder in Spanien unterwegs als Reiseleiterin. Ich hatte noch meinen alten Ausweis, viele Barthaare im Gesicht, die Brust war mädchenhaft, die Schreckhaftigkeit sehr stark und ich verspürte, wie die mühsam aufgebaute Muskelkraft und Kondition langsam aus meinem Körper verschwanden.

An einem heißen Tag, Ende Juni, bin ich vor Hitze vom Reiseleiterrad gestiegen und musste mich ins Gras legen. Meine Gäste versorgten mich mit kühlem Wasser und Süßigkeiten, um meinen Kreislauf wieder anzukurbeln. So etwas habe ich bis dahin noch nie erlebt, ich war immer die Stärkste.

Ich bekam dort in der sengenden Hitze am Neusiedlersee starke Kopfschmerzen und mir wurde immer wieder Schwarz vor Augen. Nach vier Monaten HET ging es meinem Körper also nicht so gut. Häufig dachte ich daran, dass ich einen eigentlich gesunden Körper schädige, schwächer mache. Aber ich wollte es ja genauso. Dennoch hatte ich häufig Mitleid mit ihm, denn er musste sich meinem Willen beugen.

Als ich eines Tages auch mein Lieblings-T-Shirt in einer wüstenähnlichen Landschaft südlich von Madrid in den Müll geworfen hatte, musste ich sogar weinen, denn es war als würde ich diesen armen Menschen, der ja alles tat, um zu überleben und es den anderen Recht zu machen, zu Grabe tragen, ohne dass er wusste warum. Er hatte das eigentlich nicht verdient. Ständig wurde er gequält, jetzt auch noch von mir.

Er musste aber gehen, aus meinem Leben verschwinden, damit ich Platz hatte. Heute habe ich mich mit ihm arrangiert. Ich lebe wieder in einer inneren Harmonie, die Weiblichkeitsideale habe ich für meine Bedürfnisse angepasst und lebe mehr nach meinen Vorstellungen.

Nicht alles an mir muss süß, klein und niedlich sein, wie die Kindsfrauen es oft zeigen. Das lässt die Physis ohnehin nicht zu. Also bin ich froh groß zu sein! Das war ich vorher auch, als Kerl. So stolz, so schön und groß zu sein. Und meine Hände! Keine zierlichen Händchen, wie von einem Kind, sondern die einer starken Künstlerin, deren Hände ihr helfen, Träume nach außen fließen zu lassen.

Das auch als Tipp an Euch: bevor es losgeht mit den Hormonen, wollte ich alles an mir operieren lassen, mein Gesicht per Skalpell richten lassen. So wie es viele andere TransFrauen machen. Aber heute! Keine Spur mehr von der damaligen Angst ich könne mit diesem Männergesicht nie eine Frau sein. Die Hormone sind sehr stark, glaubt mir. Habe Geduld.

Im September 2017, nach dem letzten Outing und dem Verlust des Vaters, kamen dann die starken Depressionen und Stimmungsschwankungen. Lachen und Weinen lagen nahe beieinander. Das sagte mir damals auch mein Berater (einen Monat vor der HET), dass es im sechsten Monat schwer werden würde. Ich müsse mich dann sehr schützen und eine gute Umgebung haben.

Aber davon zu hören ist immer noch ein großer Unterschied zum hautnahen Erlebnis. Den ganzen Tag im Bett liegen und nicht mehr weiter wollen. In Tränen zur Decke starren, weil jemand etwas Dummes gesagt hat, deine sensible Seele gestochen hat. Nicht wissen wie es weiter geht und dann die verlorene für immer verlorene Fruchtbarkeit.

Heute ist vieles nicht mehr so schlimm wie damals. Vieles habe ich vergessen oder akzeptiert. Ich lebe immer noch und weiß wie es weitergeht. Verletzbar bin ich nach wie vor, aber ich habe gelernt, wie ich mich potentiell seelisch gefährdenden Situationen frühzeitig entziehen kann. Damals habe ich mir eine dreimonatige Auszeit gegönnt mit viel Ruhe, ohne stressigen Job und stressigen Leuten. Das Malen hat mir immer wieder geholfen. Es war damals wie heute die intensivste Therapie.

Das Gelernte auf meiner bisherigen Reise, unterwegs in Spanien, mit dem Blick auf mein Ziel gerichtet, hinter mir die fliegenden Männerklamotten, konnte ich allmählich auch auf meine Kunst übertragen. Es ist das Durchhalten, die Beharrlichkeit, das Wissen, dass die Belohnung nicht sofort kommt, sondern nach Tagen mühsamer Arbeit für das große Ziel. Das Bild von mir.

Normalisierung

Ich bin froh, dass der Anfang der Transition vorbei ist. Die Namensänderung hat dieses Kapitel vorerst abgeschlossen. Die für Oktober 2018 geplante OP wird die Transition wiederum um ein Kapitel erweitern und ein Neues eröffnen.

Viel habe ich 2017 hinter mich gelassen, den ganze Kram mit Gerichtsverfahren, den Bart, Verlust von Heimat und Familie, Einsamkeit und Schwäche.

Weil der Verlust dazu gehört, habe ich gewonnen. Wäre alles einfacher gewesen, so wäre das Glück der Existenz nicht so intensiv und erfüllend wie jetzt.

In vielen Bereichen bin ich jetzt eine befreite Frau. Das Leben wird normaler, über gewisse Tätigkeiten, die vor einem Jahr noch nur mit einem Schweißausbruch zu bewältigen waren, mache ich mir heute kaum mehr Gedanken: Klamotten einkaufen, auf die Toilette gehen, mit Leuten in Kontakt treten.

Aufgrund der Hormontherapie und der Angleichung meines Äußeren, sind zwar viele Situationen entschärft, trotzdem gibt es immer noch nervige Dinge, die mit meiner Transition zusammenhängen.

XY-Frau Verena Vermás wird 15 Monate alt

Letzte Woche habe ich ein männliches Pronomen gehört. Das hat mir die gute Stimmung verdorben und ich bekam Selbstzweifel. Am folgenden Tag war ich weiter unglücklich und wollte nicht mehr weiter machen. Zwei Tage vor dem emotionalen Regenschauer aber haben fremde Menschen mich mit weiblichen Pronomen angesprochen. Warum denke ich nicht an solche guten Erlebnisse, sondern lasse mich fallen in ein schwarzes Loch, das einen ganzen Tag währt?

Die Transition ist hart

Beschreibe ich mich in diesem Blog als eine stolze und große Frau, dann meist in einer sehr guten Stimmung. Und ich schreibe auch so wie ich es meine. Auch wenn ich an einem anderen Tag, das Geschriebene zu übertrieben finde. Besonders, wenn die Verluste zu den Menschen und der Kampf um die eigene Existenzgrundlage (als freischaffende Künstlerin musste ich jetzt endlich auch noch beginnen) meine ganze Gegenwart bestimmen, dann möchte ich andere Sätze schreiben.

Nach diesen 19 Monaten habe ich vieles hinter mir gelassen. Ich warf meine männliche Kleidung im 3. Monat Hormonersatztherapie allmählich weg, ein Kleidungsstück nach dem anderen. Das war schwer. Entscheidungen (den Beginn der Transition konnte ich aber NICHT! entscheiden, sie zerstörte ja ihr Verlies von alleine, ich unternahm lediglich keine Anstrengung mehr sie erneut einzusperren, weil es mir sinnlos erschien) sind schwierig, besonders, wenn es dein Leben in allen Bereichen ins Wanken bringen kann.

Ein stabiles familiäres Umfeld, wäre schon eine starke Entlastung. Meine Großmutter war für mich die Heimat, eine große, schöne und herzliche Frau, die in mir weiterlebt. Sie war war der letzte Grund für die männliche Maske. Mit ihrem Fortgehen war ich bereit.

Ich begann die Transition mit einer großen inneren Klarheit. Nichts gab es mehr, das mir Heimat versprechen konnte, kein Herz zu dem ich zurück kehren konnte. Dieser Mangel an Liebe, war dann letztlich auch sein Ende. Verena, wenn sie dann langsam ans Tageslicht treten würde, hatte ja noch ihre Freunde, diese würden zu ihr halten. Die meisten taten das auch. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aber die Vorstellung, dass wirklich alles wegbrechen könnte! Bedenke, die Transition ist hart, aber sie schenkt dir ein neues, dein richtiges Leben. Wäge ab, was dir wichtiger ist. Dein Wesen ausleben wird mehr sein, als Nagellack auftragen und in der Damenabteilung einkaufen. Es wird Enttäuschungen, Gefahren, Verluste geben. Das muss es dir Wert sein. Ich bereue es nicht und werde es auch niemals. Ich habe das einzig Richtige getan.

Ahnungen werden Wahrheit

Seit meiner “Entscheidung” auf der Autobahn, 200 Kilometer vor Málaga sind fast 20 Monate vergangen. In dieser Zeit ist viel eingetroffen, was ich befürchtet hatte. Ich fühle mich häufig einsam und kann die Ablehnung nicht verstehen, die mir entgegenschlägt. Ganz unvorbereitet auf diesen Mangel bin ich aber zum Glück nicht und so versuche ich, wie bisher, das Negative in positive Bahnen zu lenken. Ich vertiefe mich weiter in meine Kunst.

Jede von uns sollte zukünftige Konsequenzen vor ihrer Transition im Kopf durchgehen. Am Ende aber zählt, das was du willst, nicht das was die anderen wollen!

So habe ich das auch gemacht. Und ich kann sagen es ist alles fast so eingetroffen wie ich mir es gedacht habe. Das ist enttäuschend aber doch gehe ich jeden Abend glücklich zu Bett, denn ich bin Verena. Für immer.

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