Mein Jahr als Künstlerin und meine erste Vernissage 2018 | TransArt

Kategorien Kunst, Kunsttherapie, Träume
Feuerland, Patagonien (80x120 cm, Öl auf Leinwand)

Die erste Vernissage – Ergebnis meiner Kunsttherapie

Schade ich etwa jemanden?

Im Jahr 2016 habe ich meine Scham und Angst vor mir selbst besiegt. Ich habe dem Leben eine Chance gegeben. Heute etwa 15 Monate später lebe ich meinem Inneren entsprechend täglich als Frau, Dame, Freundin und vielleicht irgendwann als Geliebte. Phantasie ist Realität geworden. Es war sicher kein einfacher Weg. Aber ich bin ihn unweigerlich, trotz Rückschlägen immer weiter gegangen und habe mich zu keinem Zeitpunkt von außen beeinflussen lassen.

Hört man auf sich selbst und nicht auf andere, glaubt man an sich selbst und nicht an das was einem die Gesellschaft glauben machen möchte, weder Ideologien, noch Religionen. Dann führt das ohne Umwege zum höchsten Glück: Freiheit.

Der Weg zurück zur Kunst

Jeder Mensch hat Talente. Ich kann Zeichnen und Malen. Lange habe ich andere Dinge getan, die mich abgelenkt haben von dem was wirklich wichtig ist. Beides das Frausein und das Künstlerdasein habe ich versucht zu verdrängen. Relativ spät aber doch noch rechtzeitig habe ich beides begonnen zu leben. 2017 war das Jahr der Transition, stressig, von ständigem Verlieren und Gewinnen geprägt, war das ein sehr intensiver Prozess, den ich aber eiligst durchgezogen habe. Im Jahr 2018 habe ich beschlossen, dass ich wenigstens ein Jahr als Vollzeitkünstlerin leben will. Wenn ich es jetzt nicht tue, dann später, es wird aber nicht das gleiche sein.

Das Leben ist jetzt. Nicht später. Mein Berater hat mir einmal gesagt: “Verena, das Leben ist keine Generalprobe, verschiebe nichts auf morgen, lebe es jetzt.” Viele Male habe ich ihn gesehen, den weisen Mann, der mir gegenüber saß, der mit mir den Weg in die Freiheit ging. Von dem ich viel halte. Ein Mensch, der mir Wegweiser war, nach innen zu mir. Zu einer damals erkrankten Seele.

Er hat mir geholfen mich selbst zu heilen.

Wenn ich die Transition geschafft habe, dann kann ich alles was ich wirklich will. Also werde ich versuchen Kunst zu schaffen, um davon zu leben und nicht später im Altenheim zu sitzen und mir zu sagen “hätte ich doch…hätte ich nur”.

Der innere Besitz sind meine Bilder. Wenn ich male, transferiere ich Gedanken, Emotionen nach außen. Das können Landschaften, Wolken-, Seestücke oder auch Menschen sein. Sie lassen mich nicht in Ruhe, das Erschaffen von Neuem war mir angeboren. Ich konnte niemandem folgen, keinem Heiligen, keinem Guru, keinem Fabrikbesitzer, keinem Firmenboss, keinem Mao, keinem noch so bekannten und hippen Model oder Star. Meine innere Welt war so bunt und groß, so spannend und schön, dass ich im Vergleich zu anderen, weniger Anregung brauchte. Die Natur, das Alleinsein in ihr gab mir die wichtigsten Erfahrungen.

Aber immer dann, wenn ich auf die anderen hörte und nicht auf Verena – interior -, zerfielen die Hoffnungen und es erfassten mich persönliche Krisen. Heute sollen keine Jahre mehr verschwendet werden, sollen sie alles sein, nur nicht ungenutzt, verhasst und unglücklich.

Deshalb zurück zu meinen Anfängen, als ich 6 Jahre alt war und einen Bleistift in die Hand genommen habe. Zu  diesem Kind gehe ich zurück, als Frau und gebe mir die Hand. Komm in meine Welt der Kunst. Ich glaube an mich und habe durch meine Lebenserfahrung ein gutes Maß an Selbsteinschätzung erlangt. Von der Hauptschülerin zur Gymnasiastin zur Studentin zur Kartographin zur Bildenden Künstlerin. Erfolgreich und glücklich.

Die Bilder für die Vernissage

In zwei Wochen findet im Griesou in Graz (Griesplatz 4) meine erste Vernissage statt. Am 13.4.2018 um 19 Uhr erfülle ich mir ein Vorhaben, das ich im November 2011 – neu in der Stadt angekommen – mir gefasst habe. Einmal eine Ausstellung!

Da ich momentan mit gutem Passing unterwegs bin und ich das Gröbste der Transition hinter mir habe, will ich auch nicht mehr das Thema Transsexualität so offen zeigen. Ich will einfach eine hübsche Dame sein, die interessante Bilder malt, die gern gekauft werden. Aber dennoch soll subtil der Gedanke von Transition, von Kampf gegen innere und äußere Wände, in meiner Kunst mitschwingen. Welchen Titel also vergeben?

Zur Auswahl stelle ich mir vor:

  • Wunsch und Raum
  • Die Unebenheit meiner Schritte
  • Ansichten eines Aufbruchs
  • Der Umfang eines Blickes
  • Der Blick innerer Orte
  • Wiederfindung eines Traums
  • Ruhend in der Bewegung
  • Gefundene, ich habe dich gefunden!
  • Sieben Jahre

Um sich das Ganze besser vorstellen zu können präsentiere ich hier die Auswahl meiner Bilder für die Ausstellung, die bis Anfang Mai 2018 läuft.

Iris (70×100 cm, Acryl auf Leinwand)

Lechtaler Alpen – Sonnenuntergang (40×120 cm, Öl auf Leinwand)

Lechtaler Alpen – Nachmittags (60×90 cm, Öl auf Leinwand)

Wolkenstück – Aufkommender Regen (40×80 cm, Öl auf Leinwand)

Wolkenstück – Im Flug (70×100 cm, Öl auf Leinwand)

Frauenportrait – Im Blick (60×90 cm, Kohle und Acryl auf Leinwand)

Feuerland, Patagonien (80x120 cm, Öl auf Leinwand)

Feuerland – Fitz Roy (80×120, Öl auf Leinwand)

Cabo de Gata – Andalusien (80×120 cm, Öl auf Leinwand)

Nach langer Überlegung werde ich den Titel für die Ausstellung “Sieben Jahre” taufen. Für die Verwirklichung meines 2011 gefassten Plans mindestens eine Ausstellung in Graz zu veranstalten hat es sieben Jahre gedauert. Viel Zeit!

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