Einsamkeit in der Transition | Magic Moment (1)

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kuscheltier für eine Transfrau

Kuscheltier gegen Einsamkeit – Ein Kompromiss

Magic Moments – sind Erlebnisse, die mich stark beeinflusst haben in meinem Mut, mich also gestärkt und ermutigt haben auf dem Weg von Mann zu Frau. Unter diesem Titel folgen also meist sehr positive Erlebnisse. Heute die Folge Nr. 1 – Linderung meiner Einsamkeit.

Update 18/08/2018: Der Affe war v.a. für die Zeit wichtig in der ich mich sehr verletzbar fühlte. Das ist heute immer noch so, ich habe manchmal die Vorstellung ich sei ein aufgeblasener Luftballon mit einem riesigen Lächeln darauf. Nur ein Nadelstich und er platzt und ich gehe in Tränen auf. Mein Trans-Monkey, wie ich ihn später nannte, begleitete mich auf der langen Fahrt von Oberösterreich im Mai 2017 nach Spanien.

Ich hatte ihn im Auto dabei, neben mir im Bett und ich hängte ihm Halsbänder um. Irgendwas in mir – ausgelöst durch die Hormone – wollte ein Kuscheltier. Heute glaube ich, dass ich einen Teil meines Lebens nachholen musste. Wenn ich heute junge Mädchen sehe im Alter zwischen 5 und 12 Jahren, also noch in dem Alter vor der Pubertät, dann merke ich, wie fröhlich sie sind. Sie kleiden sich wie eine Prinzessin, tragen Nagellack, geflochtenes Haar und Lackschuhe. Ich spüre wie fröhlich sie sind. Eine Fröhlichkeit, die ich in dem Alter nicht hatte.

Während sie jetzt noch Prinzessin spielen, haben sie auch ein Kuscheltier dabei, das wird mit der Pubertät auch anders werden. Es ist komisch, aber diese Freude von Mädchen sehe ich bei Jungen weniger. Oder ist es eine andere Freude? Als kleiner Bub wäre ich gern ein Mädchen gewesen. Habe mich einfach wohl gefühlt in Kleidern. Es kam die Scham, der Selbsthass und schließlich die Frauwerdung mit 34 Jahren.

Seltsam unser Leben! Aber hier noch der erste Magic Moment März 2017, vor 1.5 Jahren:

Mein Helper-Monkey

Vor einer Woche ca. hatte ich plötzlich das Bedürfnis mich um ein Lebewesen kümmern zu können. Ich wollte eine Katze, einen Hund, ein Tier mit dem ich kuscheln und mit dem ich draußen die Landschaft entdecken konnte, das zu mir hielt und mich suchen würde. Dem mein Äußeres egal wäre und statt mir Fragen zu stellen, sich schlicht meine Nähe suchen würde. Das Bedürfnis wurde so stark, dass ich mir schließlich ein Kuscheltier gekauft habe. Ein Tier konnte ich mir nicht erlauben, mit meiner unsteten Lebensweise, in einem Monat bin ich ja schon wieder für 2 Monate unterwegs und danach habe ich noch nicht einmal eine Wohnung in Aussicht.

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Helpermonkey von Verena Vermás für die erste harte Zeit in der Transition.

Hätte ich mir nie in meinem Leben als Erwachsene gedacht, dass ich mir nochmal ein Kuscheltier zulegen würde. Aber es tut gut, es wirkt und ja es verletzt keinen, manche schmunzeln vielleicht, aber mir tut der Affe gut!

Als hätte irgendjemand meine Sehnsucht nach einer Katze gespürt, schickte dieser mir tatsächlich einen Kater,  einen schweren großen schwarzen Kater. Gestern kam er wieder und da ich die Terassentür offen hatte, war es ihm ein Leichtes zu uns in die Wohnung zu kommen und herum zu streunen. Wir verstanden uns recht gut, und legten uns ein bisschen auf die Couch, ich streichelte ihn und er fühlte sich wohl, genauso wie ich, mein Herz war beruhigt.

 

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