Trans oder Fetisch? (1/3)

Strumpfhose als recht häufiger Männerfetisch

Trans oder Fetisch? (1/3)

Ein Leser meines Blogs ist sich unsicher ob bei Ihm ein Fetischismus (Lust beim Geschlechtsverkehr in die weibliche Rolle mit Hilfe weiblicher Kleidung und Schminke zu schlüpfen) oder doch Transsexualität vorliegt. Er hat sich ersten psychologischen Rat von bisher zwei Personen geholt und steht dabei noch am Anfang. Da er im ländlichen Raum lebt, sind Psychologen mit Schwerpunkt Transsexualimus nicht oder kaum vorhanden.

Strumpfhosen für Männer
Strumpfhosen für Männer

Die Frage der eigenen geschlechtlichen Identität zu klären ist für Menschen, die das Gefühl haben nicht der sog. gesellschaftlichen Norm zu entsprechen kein einfaches Unterfangen. Wenn ich – mit der Gesellschaft – von einer Norm sprechen ist das eine weitere Schwierigkeit, die alle belastet, die sich einfach „anders“ fühlen. Was als normal angesehen wird ist zeitlich sehr dynamisch. Vor kurzem stand gelebte Homosexualität in vielen Ländern Europas noch unter Strafe und viele wanderten aufgrund ihrer Andersartigkeit ins Gefängnis.

Momentan erleben wir ein starkes Aufbrechen alter verkrusteter Normen. Das ist einerseits ein großer Segen. Denn diese einst marginalisierten Bedürfnisse von Menschen, das Gleiten zwischen den Geschlechtern durch z.B. Crossdressing, Transvesitismus ist rechtlich gesehen nicht mehr strafbar, das war besonders streng in den vereinigten Staaten der USA, wonach es unter Strafe stand die Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen.

Frauen war es ebenfalls verboten Hosen zu tragen, das ist gar nicht so lange her. Aber feministische Bewegungen haben der Frau Freiheiten gegeben, die einst nur dem Mann vorbehalten waren. Über 2000 Jahre wurde die Frau als dem Manne nicht ebenbürtig angesehen. Er war ihr Vormund und in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wurde ihre Unterdrückung vollkommen und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch nicht angezweifelt. Der Mann hielt die Stellung des Privilegierten. Das Paradigma von Hammer und Amboß, Herr und Knecht hielt sich über die Jahrhunderte.

Und um nicht zu weit in soziologische Studien zu verfallen, komme ich hier zurück in die Gegenwart und zu deiner „Unsicherheit“ bzgl. Fetischismus oder Transsexualität. Wenn wir an den Sex denken tauschen viele Paare gerne ihre Rollen, begeben sich in die aktive oder passive Rolle. Jeder kennt die Spielarten aus Filmen oder auch aus eigener Erfahrung. Gesellschaftliche Normen haben im Sexleben wenig Gültigkeit. Was im Bett passiert, geschieht im Intimen, Privaten. Homosexuelle wurden erwischt und angezeigt. Das ist heute zum Glück nicht mehr der Fall.

Es muss eine Triebstruktur in beiden Geschlechtern geben, wonach man sich gerne in eine unterwürfige Rolle begibt. Gerade die Figur der Domina, die dem Mann zu seiner Befriedigung körperliche Schmerzen zufügt, ihn spielerisch züchtigt, dient dem sonst gesellschaftlich so privilegierten Mann als eine Möglichkeit seiner zugedachten, starren Rolle zu entkommen. Er verschafft sich Erleichterung von den Erwartungen.

Tut es nicht gut einmal alle Verantwortung von sich wegzuschieben? Wie gesagt, der Mann hatte die staatlichen wie religiösen Mächte hinter sich. Eine künstlich zugedachte Rolle für das sog. „starke“ Geschlecht also. Es gründet sich auf nichts, kein genetischer Befund, keine biologischen Beweise können dem Mann das Recht des Stärkeren attestieren. Wohl ist im Schnitt der Mann körperlich stärker. Aber seelische Anteile werden gar nicht berücksichtigt. „Indianer weinen nicht“, hat es immer in meiner Kindheit geheißen.

Wohin diese seelische Trennung des Mannes von seinen weiblichen Anteilen führt, sehen wir gerade besonders gut im Umgang mit unserer „Mutter Erde“. Das sehe ich auch besonders an jenen Menschen, die vorgaben meine Familie zu sein, darin aber nicht wahrhaft ihr Gefühl der bedingungslosen Liebe bieten konnten. Woher kommt die Abscheu gegen uns, gegen Homosexuelle wie Transsexuelle und zwar besonders jene, die den Weg von Mann zu Frau gehen? Warum erhalten Frauen, die sich betont burschikos geben eher Anerkennung von Männern? Männer aber, die sich öffentlich feminin geben, werden einer ganz anderen Beurteilung unterzogen. Diese ist nämlich besonders von Männern sehr negativ. Wer Glück hat bekommt kritische Blicke, aber wenn die Situation es zulässt handelt sich der feminine Mann schnell Prügel ein oder wird Opfer eines Mordes.

Gerade Transsexuelle, die auch noch aufgrund anderer körperlicher Merkmale gesellschaftlich (künstlich) dem Feinddenken ausgesetzt sind – denke an dunkelhäutige Menschen in den mehrheitlich weißen Gesellschaften! – stellen das künstliche Konstrukt, diese Pose des machtvollen und priviligierten weißen Mannes in Frage.

Immer wieder müssen es Männer unter sich beweisen. „Ich bin doch nicht schwul!“. Ständig diese manischen geradezu wahnhaften unreflektierten Selbstbestätigungen…

Nächster Teil folgt in KÜRZE

 

 

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