Freiheit

Leben: Offline

Nach einer langen Pause, möchte ich in den nächsten Tagen mit einem neuen Beitrag wieder unter meine LeserInnen. Ich habe diese Abstinenz von Internet und Medien dringend gebraucht. Vier Monate war ich offline. Mein Leben verlief weitestgehend analog. Ich bin dadurch sehr viel unterwegs gewesen – immer noch – viel unter fremden Menschen, allein hauptsächlich, denn so lernt man Fremde kennen.

Viele Abenteuer, Erkenntnisse und Gefühle später, ist aus dem Februar ein Juni geworden. Ich zähle kaum mehr die Zeit seit dem Beginn meiner hormonellen Transition. Es ist jetzt 2,5 Jahre her. Vieles ist wahr geworden, Befürchtungen, Ängste aber ich bin jetzt in meinem zweiten Leben angekommen und spüre, dass es von großer Bedeutung ist, sich Zeit zu lassen.

Wellengang meines Selbst

Die vergangenen Monate bestanden aus unzähligen Phasen von Trauer, Freude, Depression, Euphorie. Manchmal dachte ich alles wird schlecht. Dann kam ein Moment, ein Zufall, ein gutes Erlebnis, WEIL ich wieder den Drang hatte aus meinem Leben eine Erzählung zu machen, ein spannendes Buch. Überall fand ich schöne Menschen. Ich bewege mich meist allein in den Gassen und Lokalen. Ich habe meinen Zeichenblock dabei und innere Ruhe.

Lebe in der Gegenwart

Kein Smartphone was ablenkt (das habe ich für einen Kebap verkauft), kein Online, nur noch analog. In einer Zombiezeit wie dieser, in der jede und jeder sein Spielzeug mit sich herumträgt, entsteht eine neue Asozialität.

So lebe ich bei mir, meinen Gefühlen, Zielen und Alltagsgeschichten. Die großen vier der Internetbranche haben es sich ja zum Ziel gesetzt, den Zufall im Leben abzuschaffen. Menschen verbarrikadieren sich hinter einer scheinbaren Blase von Sicherheit. Ich setzte mich bewusst damit auseinander. Lebe den Zufall, denn das macht das Leben spannend!

Ich kann diese Entwicklung nicht mitmachen. Mein Leben ist mir zu kurz, zu schade, um mich diesem Digitalterror auszusetzen. Seit 3 Monaten lebe ich ohne Ablenkung, meine Freiheit, die 2014 mit dem gefundenen Smartphone beendet wurde, habe ich wieder.

Autonom leben

Die Freiheit wieder zu erleben, bedeutet mich den Zufällen und autonomen Entscheidungen zuwenden, mein eigenes Leben weiterschreiben, nicht eines, das von Kaufinteressen und Personalisierung durch global Players beeinflusst ist.

Die Transition bestärkt mich darin. Jetzt habe ich die einmalige Gelegenheit mein Leben so zu leben wie ich es will. Wir sind länger tot, als lebendig. Mir sollten uns unbedingt stärker in Bezug setzen mit unserer unwiederholbaren Existenz.

Mein persönlicher Skandal hat mein Leben verändert. Mein zweites Leben ist die Annahme meiner Persönlichkeit geworden. Es ist ein gravitatives Zentrum geworden, in dem Seele und Handeln eins sind, nicht im Streit. Von diesem Punkt aus handel ich, erzwinge mein Glück. Dabei übergehe ich triviale gesellschaftliche Konventionen und störe den gewohnten Ablauf, in dem sich die Menschen aus Angst vor Zurückweisung, Verlust und Einsamkeit einsperren.

Manchmal spüre ich Zurückweisungen, aber sie treffen mich heute weniger als früher. Rebellisch war ich schon immer. Mir ist das ganze Artigsein zuwider. Ich zolle jedem Menschen Respekt, aber dumme Konventionen? Muss man übertreten. Vor drei Jahren saß ich mit Vollbart auf einer Flughafentoillete in Spanien, verschwitzt, verdreckt, fertig. Heute habe ich diese Haut abgelegt und freue mich meiner Freiheit, schminke mich, und wenn es mir besonders gut geht, wie momentan, kleide ich mich auch sexy und selbstbewusst.

Der innere Reichtum

Mein innerer Reichtum bewahrt mich vor Selbstzweifeln. Ich habe ja wirklich alles! ausprobiert. All die Brüche in meiner Biographie zeichneten letztlich den Weg zu mir selbst. Ich lebte immer abseits der Normalität. Was der Normbürger mit Abscheu und Neid wahrgenommen hat. Aber immer! musste ich aufstehen, fallen und wieder aufstehen. Das Scheitern an mir und der Welt, war die Konstante in meinem Leben.

Dennoch habe ich das Scheitern nicht als Rückschritt in meiner persönlichen Entwicklung wahrgenommen, sondern als ein Indiz für meinen eigenen Weg. Scheitern ist kein Versagen, es wird nur dann ein Versagen, wenn man immer wieder am gleichen Problem scheitert. So war ich bei der Bundeswehr und habe bald dermaßen unter Mobbing gelitten, dass ich ausgetreten bin, vorzeitig. Welch ein Skandal für die Männer in meiner Familie!

Wir sind so blind geworden für das Leben, dass wir Angst haben, Fehler zu machen, nur um der Maske, der Stärke willen. Es ist aber alles eine große Dummheit und geht am Leben vorbei. Deshalb habe ich ganz genau gewusst, wohin ich sicher NICHT mehr will. Man kann auch vorzüglich vom schlechten Vorbild lernen, wenn kein gutes Vorbild vorhanden ist.

—- Fortsetzung folgt —-

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