Kunstwerke meiner Transition | TransART

Schwarz-Weiß und ihre Transition für die Ausstellung “TransART”

Lesbar ist nur das Bild

Das Bild will ich sein, deshalb male ich. Vor meinen Fenstern im Grazer Bezirk Jakomini ist jeden Tag ein ähnliches Bild zu sehen. Menschen mit Taschen, in Hosen, Kleidern, Röcken und in der Hand ein Handy, im Ohr Kopfhörer. Die Gehenden blicken auf den viereckigen Bildschirm, an den Ohren herunter baumeln weiße Kabeln, die bei jedem Schritt mitschwingen. Ihr Blick ist während des Gehens auf den Bildschirm gerichtet und ihre Fingerspitzen spielen darauf.
Wind kommt auf und lenkt frische Mailuft in mein Zimmer. Ein Zimmer mit hohen Decken, mit Türen, deren oberen Rand ich ohne künstliche Erhöhung nie berühren könnte.
So sitze ich jeden Abend hier an meinem Schreibtisch oder an der Leinwand und spüre die Mailuft. Freue mich darüber, dass die Winterluft endlich fortgeblasen ist und seit April den Geruch des Lebendigen in sich trägt.

Vor einem Monat war es noch von ersten Gräsern begleitetete Aprilluft. Jetzt sind es Robinien, Goldregen, Holunder und bald werden es die Linden sein.
Seit Ende Februar aber schon kann man das Singen der frühen Amseln hören.

Bald aber wird es heiße Sommerluft sein, die in den staubigen Straßen des Häuserviertels zu liegen kommt und diese wiederum wird abgelöst vom ersten langen Herbstregen, der das Ende des Jahres einleitet, das dann mit dem Winter endet.

In diesem Jahr und im nächsten Jahr wird alles genauso wieder kommen, manches früher manches später.
Jedes Jahr geschieht das Immergleiche. Die Menschen gehen hinaus auf die Straßen und lassen sich ziehen von ihren Geschäften. Horchen auf ihr Handy wenn es klingelt, sie besorgen mariniertes Fleisch in Plastik für die erste Grillparty, bei der sich vielleicht jemand von zu vielem Bier übergibt oder die Plastikteller in einem kräftigen Windstoß von den Tischen fliegen. Vielleicht aber auch beginnt dort ein neues Leben…

Jeder hat etwas zu tun und muss etwas besorgen. Manchmal sehe ich ihnen zu, von Zeit zu Zeit, wenn ich eine Pause brauche, schaue ich hinaus auf den Asphalt, auf die in der Sonne glänzenden Autos. Und ich wundere mich dann über das Leben und wie die Tage vergehen. Keiner, so scheint mir, merkt, das viele Dinge in ihrem Leben gerade beginnen oder schon geendet sind. Wenn ich unten auf der Straße, unter ihnen bin, schauen sie manchmal gedankenverloren in meine Augen, bevor sie sich wieder ihren Alltagsgedanken zuwenden.

Die Sterne am Himmel, die Planeten, die Sonne, die Gebäude der Stadt, die Möbelhäuser, die Kebapläden, Feiertage und das dazugehörige Verhalten, alles ist uns vorgegeben.

Ordnung überall. Unser Jahr ist vollkommen durchorganisiert und viele von uns gehorchen diesem Ruf des modernen Menschen. Ich beobachte sie. Je mehr ich in meine Bilder eingehe, desto mehr entferne ich mich von den Verheißungen, dem lauten Rufen der Stadtmenschen, des Bürgertums, und ich werde still, ganz still.

Irgendwann aber werden wir alle zurück gehen zu unserem Ursprung. Es wird dann keine Amsel mehr auf meinem Dach sitzen und ihr frühes Lied in den Morgenhimmel singen. Kein Blütenduft mehr meine Haut berühren, und niemand wird mehr blind auf mich zugehen, den Blick auf sein Handy gerichtet.

Sonne und Sterne werden noch einige Zeit bleiben, aber auch sie werden vergehen und irgendwann das gesamte Universum. In dieser Kälte haben wir keine Bedeutung mehr, für ein paar Sekunden nur haben wir die Gelegenheit, heute, der Welt unser Herz zu zeigen. Und alles wird enden für uns, wenn es aufhört zu schlagen.
Auch in Zukunft werde ich die Gehenden durch ihre Kleidung, ihre Smartphones, ihre modischen dunklen, hellen, roten oder pinken Schuhen, ihren Schmuck und Frisuren nicht unterscheiden können, denn sie sehen alle gleich aus. Aber irgendwann werden die Kleider die Menschen wechseln. Nur, was wird anders sein? Ihre Gedanken? Ihre Träume? Bisher gelingt es mir nicht eine Abwandlung von Heute vorzustellen.

 

Traum | Immer wieder | Traum

In jeder Nacht träume ich.

In einem Zwielicht aus Schatten und verhangenem Himmel, greifen nach mir große Hände. Ich befinde mich im Treppenhaus oder manchmal auch auf dem Weg zum Flughafen.
Die Ereignisse wiederholen sich ohne Abwandlung des letzten Kapitels. Immer verpasse ich das Flugzeug und immer bin ich ein weißer Schatten, den niemand sieht.
Hände aus unbekannten Richtungen holen mich, heben meinen Körper und tragen mich in eine Welt, deren Gestalt ich schon kenne.
Vor dem Einschlafen weiß ich nicht, wohin sie mich tragen werden, die Hände, dieses Unsichtbaren. Erst wenn der Traum vorbei ist, weiß ich wieder wo ich war.

Orte und Ereignisse wiederholen sich. Es hat sich nach so vielen durchlebten Träumen niemals eine Änderung des Ausgangs ergeben.
Kaum jemals, dass ich einen Traum in einer anderen Richtung verlasse. Nein, es bleibt wie es ist.

Ein Haus, ein träumender Gast, ein Schatten, eine Wiese in der ich mich vor den Menschen verstecke und ein verpasster Flug. Noch nie habe ich diesen Flug erwischt. Noch nie haben mich die Menschen in dem Haus gesehen. Immer war mein Verstecken in der hohen Wiese ein Erfolg.
Wenn der Tag zu Ende geht und ich meine Pinsel auswasche, noch einen Kräutertee trinke und müde ins Bett falle, öffnet sich langsam das Tor hinter meinen geschlossenen Lidern. Als würde ich von einer unsichtbaren Kraft gezogen, zieht es mich durch das Tor, das im Inneren noch völlig dunkel ist.

Aber dann stehe ich auf einem langen schmalen Teppich. Auf seiner Oberfläche sind die Bilder gestickt, die ich erlebt habe. Es ist eine Bilderzählung. Der Teppich – ein Läufer – umgeben von Dunkelheit, die Bühne meines Schlafes.
Mein Blick senkt sich und berührt die Linien der Gestalten unter mir. Während ich langsam das erste Bild unter mir entwirre und den Linien zu folgen beginne, erkenne ich, dass ich das bin, diese Frau, die auf einer Kellertreppe steht, oder das Mädchen, das in einer Wiese im hellen Frühlingstag sitzt, oder eine Frau, die über einen Flughafenplatz rennt.
Dann verlasse ich mich selbst und verliere mich in den seltsamen Mustern des Teppichs. Der erste Traum beginnt.
In ihm suche ich vergeblich, was wir an der Oberfläche besitzen: eine Wahl. Hier unten scheint es dies nicht zu geben, ich finde keine Kreuzung, die mir eine Abwendung der Ereignisse erlauben würde, keine Möglichkeit der Veränderung. Alles bleibt starr und wiederholt sich in genau demselben Ablauf wie die tausend Male zuvor.
Mit dem ersten Schritt schlüpfe ich in mir fort und verliere die Kontrolle über mein Schicksal.
Der Teppich birgt viele Geschichten. Drei davon begleiten meine Nächte seit Monaten immer wieder.

Der weiße Schatten

Im Treppenhaus gehe ich hinab in einen Keller, ich höre Schritte in einem der Räume. Es ist wahrscheinlich der Heizungsraum. Ich höre wie sich jemand räuspert und wie diese Person eine Zigarette anzündet.
Niemand weiß von mir, niemand sieht mich, kein Gruß und kein Augenaufschlag empfangen mich.
Als ich aufbrach von meinem Bett aufbrach und in dieses Haus geschickt wurde von meinem magischen Teppich, da schliefen sie noch, und sie schliefen auch noch als ich wieder sichtbar wurde.
Es ging alles sehr schnell, dort im Bett auf der Seite liegend mit meinen geschlossenen Augen, hinter denen diese Welt entstand. Wie ich wohl von außen betrachtet aussehe? So zwischen meinen Kissen atmend, das Gesicht etwas versunken, die dunklen Augen unter den blassen Lidern?

 

Indes wiederholt sich das Räuspern. An meinem Bein schleicht eine Kater vorbei. Ihre weißen Pfoten tragen sie nach oben vor die Tür zum Wohnzimmer. Auf dem rechten Ohr hat er einen schwarzen Fleck. Ich glaube den Kater zu kennen und bevor ich es schaffe mich zu ihm hinab zu beugen, da befinde ich mich schon vor dem Haus, in einer kalten Januarnacht. Über mir stehen die Sterne. Der gewölbte Himmel ist nun unsichtbar und eine große Stille tritt hervor.

Von einer langen Reise komme ich. Doch stehe ich lange Zeit vor dem Haus in dem ich geboren bin. Im kalten Wind funkelt eine Plastikverpackung in den toten Gräsern zwischen den immergrünen Hecken.

Werke aus den Jahren 2017 und 2018


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