Haarentfernung | Methoden, Kosten, Ablauf

Die Haarentfernung bei Transfrauen gehört mit zur wohl wichtigsten „kosmetischen“ Behandlung. Man kann dabei sehr viel Geld ausgeben, vielleicht auch Geld zum Fenster hinausschmeißen aber in der Regel bei richtiger Methodenwahl wird man das nervende Gemüse im Gesicht auf Dauer los. Wenn ich mir Fotos vom letzten Jahr ansehe, auf denen ich zwar rasiert bin und auch abdeckendes Coverage-Makeup aufgetragen hatte: den blauen Bartschatten bekommst du nicht weg. Mit diesem Indiz im Gesicht kannst du ein Passing vergessen. Also spare Geld für die teuren Behandlungen, anstatt zu Beginn in teure Pumps und Fummel zu investieren. Das Lebensgefühl ohne Bart ohne tägliches Rasieren ist unvergleichlich und erst mit dem Schwinden des Bartes werde ich als Frau erkannt. Im Folgenden ein kurzer Überblick über Methoden, Kosten und ein paar Tipps aus meiner Erfahrung.

  • Elektorlyse
  • Laser
  • IPL (Intensed Pulsed Light)
  • Bester Zeitpunkt?
  • Fazit
  • Beispielbilder

Elektorlyse

Die erste Methode zur Haarentfernung seit 1875.

Am Effektivsten aber auch am teuersten, langwierigsten und schmerzhaftesten gilt also die Nadelepilation. Dabei wird eine Lauge per Nadel in den Haarkanal eingeführt und die Haarwurzel mittels Natronlauge zerstört. Das Verfahren gilt als sehr erfolgreich bei der dauerhaften Haarentfernung, manche sprechen von permanenter Haarentfernung. Aber auch hier wird berichtet, dass immer wieder Haare nachwachsen können. Vorteil ist v.a. die Entfernung von Haaren bei geringem hell/dunkel Kontrast, d.h. bei hellen Haaren (ergraut, blond, rötlich). Patienten berichten von extremen Schmerzen. Manche versuchen sich mit Alkohol oder betäubenden Mitteln den Schmerzen etwas auszuweichen. Im Vergleich zum Laser erzeugt die Nadelepilation viel stärkere Schmerzen. Diese sind natürlich abhängig vom individuellen Schmerzempfinden.

Laser (Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation)

Willkommen bei der Quantenmechanik fürs Gesicht!

Mit Hilfe eines Diodenlasers werden diskrete Lichtimpulse gesendet und auf das Haarfollikel übertragen. Dabei wird wie bei anderen Methoden dieses biologisch degeneriert und bei entsprechender Dauer, Stärke und Häufigkeit der Impulse zerstört. Die Methode gilt als dauerhaft und nicht als permanent. Vor der Behandlung wird ein kühlendes Gel auf die Haut aufgetragen. Die Hitzeentwicklung bei hohen Energieeinstellungen des Lasers ist erheblich und kann zu Verbrennungen führen, ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. Danach wird der Laserkopf, der bei den neuesten Lasermodellen auch gekühlt werden kann, auf die Haut gesetzt und über ihn Lichtimpulse gesendet. Das Lichtspektrum ist genau auf eine Wellenlänge beschränkt. Deshalb werden bei gutem Haut- / Haarkontrast nur die Haarfollikel mit dem dunklen Melanin angegriffen und verödet. Ist das Haar hell, gibt es überhaupt keine Lichtimpulse. Der Schmerz ist besonders bei einem starken Bart anfangs sehr stark. Meine damalige Hautärztin ist mit einer sehr hohen Einstellung über die Haut gefahren. Der Schmerz kann dabei sehr stark sein. Ich vergleiche es mit dem Gefühl von tausenden heißen Nadeln, die auf die Haut gepresst werden und dabei ein brennendes Stechen erzeugen. Aber ohne Schmerzen geht es nicht. Auch die Epilation mit Pinzette schmerzt. Und ist nicht einmal von Dauer. Die Kosten können stark variieren. Hast Du einen starken Bartwuchs brauchst du viele Behandlungen an allen Gesichtsstellen vom Hals, Kinn über Wangen zu den Lippen ist dann alles dabei und kostet. Viele Haarentfernungstudios berechnen nach behandeltem Hautareal. Hast du nur einen Lippen- und Kinnbart ist das natürlich günstiger. Insgesamt sind für die ersten guten Ergebnisse ca. 4 Behandlungen notwendig. Gleich nach der ersten fallen schon viele Haare einfach aus. Das Gefühl vor dem Spiegel zu stehen mit der Pinzette an das etwas verkohlt aussehende Haar zu greifen und es dann herauszuziehen ohne Anstrengung ist ein unglaublich erlösendes Gefühl. Bei meinem neuen Studio in Augsburg (Idealist) zahlt man für das komplette Gesicht incl. Augenbrauen 99 Euro, was meiner Erfahrung nach rel. günstig ist. In Wien kostet das Gesicht 150 Euro (Dermalounge). Bei Dermalounge gibt es aber super Rabatte und bei einer zusätzlichen Behandlung mit Dekolleté habe ich beim letzten Mal 10% Rabatt bekommen und nur 147 Euro gezahlt. Am teuersten sind Hautärzte oder Ärzte, die das nebenher machen. In Graz war ich bei Frau Regitnig und habe für das Gesicht 190 Euro pauschal gezahlt. Es gab keinen Rabatt und die Behandlung war leider etwas ruppig und hat sich nach Abfertigung angefühlt. Kann ich nicht empfehlen. Wer im Raum Graz wohnt, hat aber nicht viel Alternativen außer das Franchise-Unternehmen „Hairfree-Institut“. Über diese Studios, die es inzwischen in jeder größeren Stadt im deutschsprachigen Raum gibt habe ich aber noch keine Erfahrungen sammeln können. Auf jeden Fall kann ich Dermalounge in Wien (sehr persönlich mit Wohlfühlatmosphäre) und genauso Idealist in Augsburg empfehlen. Für Leute aus diesem Raum klare Empfehlung. Und nun kommen wir zu…

IPL (Intensed Pulsed Light)

Haarentfernung für daheim?

Zu Beginn meiner Transition, noch ohne Hormone in den ersten vier Monaten habe ich mit IPL angefangen. Die Rasur ist ja bei stärkerem Bewuchs eine Qual und mir waren schon viele Haare eingewachsen und an den betroffenen Stellen dunkel-lila-blass-braun. Also kaufte ich mir von Philips den Lumea für ca. 300 Euro bei Amazon. Gleich vornweg, Transfrauen mit dicken dunklen Haaren: spart euer Geld, das Ding bringt nichts. Auch nicht die IPL-Studios. IPL-Geräte senden gepulstes Licht in einem breiten Spektrum im Gegensatz zum Laser, der eine genau definierte Lichtquelle aussendet und dadurch keine anderen Hautareale angreift. Dadurch kann man beim Laser eine viel höhere Lichtenergie senden und muss vor schweren Verbrennungen keine Angst haben, da ja nur das Haar verödet wird. Beim IPL aber muss die Energie relativ niedrig bleiben, da sonst andere Hautpartien in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine hohe Energie würde hier die Haut verbrennen. IPL kann vielleicht bei einem leichten Damenbart angewandt werden. Je feiner (aber trotzdem dunkles Haar!) das Haar desto besser kann IPL wirken. Bei einem ausgewachsenem Bart jedoch sind die Haarfollikel zu kräftig, als dass diese durch das breit gestreute Licht auch nur annähernd zerstört werden könnten. Am Anfang habe ich mir jeden Tag das Gerät ins Gesicht gehalten. In der Früh und Abends insgesamt gerechnet eine Stunde lang bin ich mit dem IPL-Gerät über die Gesichtshaut gefahren und außer einem warm-heißen Gefühl ist nichts passiert.

Bester Zeitpunkt?

Definitiv während der Hormontherapie. Durch das Testosteron wird das Haarfollikel immer wieder zum Wachstum gereizt und kann nach einigen Lasertherapien wieder erstarken. Bei mir hat der Laser ein besseres Lebensgefühl gebracht, auch wenn ich immer noch einen leichten Bart an der Oberlippe und am Kinn habe. Die Haare werden durch das fehlende Testosteron auch v.a. dünner und filigraner. Dadurch greift der Laser besser das Melanin an, was auch mit weniger Schmerzen verbunden ist. Ich habe die erste Behandlung vier Wochen vor der ersten Einnahme der Hormone gehabt, hauptsächlich weil ich nicht mehr warten wollte und beginnendes Grau mir große Angst vor der dann notwendigen Nadelepilation gemacht hat.

Fazit

Zu empfehlen als Methode mit hoher Wirkung, rel. geringen Schmerzen und kostengünstig, wenn beim richtigen Studio, ist v.a. die Laserepilation. Das brennende Gefühl vergeht recht schnell und es fallen die toten Haare nach und nach aus. Die Haare wachsen langsamer und dünner nach. Leider ist es bei der Gesichtsbehaarung so, dass viele Haare in einer Art Schlafmodus stecken und vom Laser dann nicht erfasst werden. Die Zeitspanne ist schwer abzuschätzen ab wann es sich lohnt zum nächsten Lasertermin zu gehen. Faustregel ist aber ca. alle vier Wochen, v.a. auch weil die Haut sich wieder regenerieren muss. Während des Sommers sollte man sich vor starker Sonneneinstrahlung schützen. An sonnigen Tagen am Besten Sonnenschutz nach der Behandlung auftragen bzw. nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzen. Empfehlenswert ist es auch daheim Kühlkissen zu haben, die man wunderbar gekühlt auf die Haut legen kann. V.a. am Anfang, wenn die Behandlungen noch besonders schmerzhaft sind hilft Kühlung die akuten leichten Verbrennungen zu lindern.

Hier noch ein paar Adressen:

Wien

dermalounge.at

Adresse: 1100 Wien, Favoriten (beim Hauptbahnhof) Antonie-Alt-Gasse 16 Telefon: +43 0664 1548088 E-Mail: info@dermalounge.at

Hinweis: Vorher Termin telefonisch oder per E-Mail ausmachen

Augsburg

idealist-augsburg.de

Adresse: Schaezlerstraße 10, 86150 Augsburg, Deutschland Telefon: +49 821 44961751 Öffnungszeiten von 09:00 bis 18:00

Graz

haar-frei.at

Adresse: Bundesstraße 170/172 8077 Gössendorf bei Graz Telefon: 03135/48276 oder 0664 314 8 134 E-Mail: ordination@regitnig.at

Das letzte Bild von Andreas habe ich am 19.10.2016 geschossen. In Palma del Rio in Andalusien, in einem zum Hotel umgebauten Franziskanerkloster. Das Foto zeigt den Höhepunkt meiner Verzweiflung, die drei Tage später in die Selbstakzeptanz überging und mich gerettet hat.

In etwa drei Monaten Mitte Januar 2017 bin ich dann zu meiner ersten Laserbehandlung gegangen. Das Aufkommen einiger grauer Haare hat mir die nötige Dringlichkeit gezeigt. Davor habe ich lange herum getan mit dem Gedanken, so jetzt machst du das Zeug also wirklich weg? Wieder ein Schritt, eigentlich der erste körperliche Schritt in Richtung Frau. Vor jedem Schritt habe ich mir gedacht: „So jetzt machst du es also, bist du dir wirklich sicher? Wenn du beginnst, wird man es sehen du wirst nicht mehr umkehren können.“ Und nach dieser kleinen Gedankenrunde zwischen Freude, Überzeugung und Furcht, habe ich den Schritt dann gemacht. Es ist dann recht einfach, denn hat man den „Furchtdreh“ mal raus, geht es immer wieder nach demselben Schema: „Ich will, dann ich habe Furcht, vielleicht sollte ich doch nicht, dann aber ich will,  wieder und wieder und plötzlich liegst du auf dem Behandlungstisch und eine fremde Person radiert dir mit höllischen Schmerzen das Unkraut aus dem Gesicht.“ So ist das bei mir gelaufen.

Nach dem zweiten Lasern. März 2017.

Nach dem sechsten Lasern Anfang Juni 2017.

Nach dem siebten Lasern Anfang Juli 2017

Nach dem neunten Lasern. Ende August 2017

Das Problem bei mir ist, dass viele dünne dunkle Haare unter der Haut versteckt sind und kaum wachsen. Fast jeden Morgen zupfe ich mir solche, die eine zupfbare und ekelhafte Länge erreicht haben heraus. Selbst nach dem neunten Lasern habe ich immer noch drei Problemstellen, an denen immer wieder welche nach kommen und auch ein leichter dunkler Schatten erkennbar ist. Leider habe ich bei der letzten Sitzung nicht gesagt, bitte richtig die Energie aufdrehen. So war die Behandlung zwar wenig schmerzhaft aber dadurch auch nicht so erfolgreich. Ich werde das Studio noch bitten mir über die Oberlippe und das Kinn zu fahren. Denn es ist fast nichts ausgefallen. Die höchste Stufe liegt bei (die Einheit weiß ich nicht) 440 [?] und die niedrigste bei ca. 220 [?]. Mir schien die Einstellung von 320 [?] in Ordnung zu sein. Ich glaube aber, dass die Haarwurzeln nur etwas gereizt, aber nicht zerstört wurden…ärgerlich.

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