Zurück aus Graz mit neuen Perspektiven | TransAlltag im 8. Monat HET

TransAlltag in Graz / Ein kurzer Ausflug

Nach zwei wöchigem Aufenthalt in Graz und Wien bin ich wieder zurück in der Mitte Bayerns. Ich fuhr nach Graz, weil ich beim Konzert von FEEL dabei sein wollte. Der Bandleader ist mein Freund und für die Platte habe ich das Motiv gezeichnet in den langen sieben Wochen Reiseleiterinnendasein – in der Zeit also, wo ich schließlich auch im Job von Mann zu Frau gewechselt bin. Das Konzert vor zwei Wochen, wo auch die CD mit dem von mir gestalteten Artwork verkauft wurde (was mich schon auch stolz gemacht hat), sollte für mich einen Neuanfang in Graz markieren.

Ich habe mich gegen den Umzug nach Berlin entschieden. Mein Leben momentan braucht keine weiteren Challenges, ich bin froh wenn ich meine Freunde um mich habe. Über zwei Monate habe ich mit dem Gedanken gespielt von Bayern in das so hochgelobte offene Berlin zu ziehen. Graz kam nicht unbedingt in Frage, weil kein WG-Zimmer bei Freunden frei war und ich nicht mit wildfremden Studenten wohnen wollte. Eine Singlewohnung wäre zu teuer gewesen. Ich liebäugelte schon immer mit der WG meines engsten Freundes. Und während ich so in meinen Gedanken hier im mittleren konservativen Bayern nach Berlin wanderte, rief mich mein Freund an: Es wird im Dezember ein Zimmer frei!

Ich war sofort dabei, wollte am liebsten gleich in meine Lieblings-WG nach Graz am Rand der Altstadt, dort wo das wilhelminische Viertel einen Ring um die Glacis bildet (das ehemalige Schussfeld der Grazer, das zu einem Stadtpark wurde).

Es ging eine neue Türe auf, und ich wollte durch sie hindurch, denn die Mitte Bayerns ist nicht meine Mitte. Es geht ruhig zu und die meisten Menschen sind nett, aber mich hier neu zu integrieren ist ungemein schwierig. Von Queer-People keine Spur und die Spießigkeit ist teilweise umwerfend grell.

GaOp – News

In Wien hatte ich am 11. Oktober 17 also mein privat bezahltes Gespräch mit meinem Operateur Herrn Prof. Schrögendorfer. Er gilt als der Guru für Österreich. Ähnlich wie Herr Schaff für Deutschland. Der allerdings hat 5Jahre Wartezeit. Herr Schrögendorfer dagegen „nur“ 2 bis 3 Jahre. Das Gespräch verlief entspannt, er hat dann allerdings auch Fotos von mir gemacht, also vom Genitalbereich, was etwas unangenehm war. Als er mich fragte ob ich einen Brustaufbau wünsche, sagte ich, dass ich eigentlich recht zufrieden sei mit Körbchengröße A und Plastik im Körper nicht unbedingt so gut finde. Er hat meinen Busen auch gleich sehr gelobt und mir gesagt, viele bekämen auch nach 2 Jahren HET keinen Ansatz. Ich habe anscheinend großes Glück. Die weiteren Schritte sind jetzt das psychatrische Gutachten Mitte November für die GaOP, die Psychotherapeutische Stellungnahme und Zusage und dann noch der Arztbrief von Herrn Schrögendorfer, nachdem ich ihm die Gutachten alle geschickt habe. Wenn das erledigt ist, gehe ich zu meiner Krankenkasse und hole mir die Kostenübernahme. Die wiederum gebe ich als Bestätigung an Herrn Schrögendorfer. Dann endlich bekomme ich meinen ungefähren Operationstermin. Hoffentlich bereits nächsten Herbst.

Er hat mir in Aussicht gestellt, dass bei einer Zahlung von 7.500 EUR, die Operation schon in einem halben Jahr statt finden kann und zwar im Evangelischen Klinikum und nicht im AKH Wien, wo nur an zwei Tagen operiert werden kann und immer wieder Notfälle wie Krebspatienten verständlicherweise vorgeschoben werden. Am Evangelischen kann man auch am Wochenende operieren und zwar mit Garantie von Herrn Schrögendorfer selbst operiert zu werden.

Eine weitere Feinheit hat er mir verraten, die für die spätere Funktion der Neovagina wichtig ist. Durch eine Spaltung der Harnröhre erreicht er, dass die Vagina auch feucht werden kann. Wenn ich dann noch orgasmusfähig bleibe wäre das die absolute Erfüllung und ein operativer Segen. Ich werde versuchen die 7.500 Euro aufzutreiben. Werde alle finanziellen Kanäle öffnen, werde Crowdfunding betreiben, Videos machen, Schreiben, Fotographieren, Malen und hoffen, dass ich nicht erst Ende 30 zum ersten Mal Sex in meinem Leben als Frau genießen kann sondern schon mit 36. Anscheinend dauert es 2 bis 3 Monate bis man penetriert werden kann. Vorher muss ausgiebig mit einem Dildo bougiert werden, damit die Öffnung der Vagina nicht schmäler wird. Durch die Narben kann nämlich der Durchmesser des vaginalen Eingangs kleiner werden.

8. Monat HET

Soweit also bin ich schon gekommen. Manchmal wundert es mich, dass die Zeit jetzt so schnell dahinfliegt. Ich kann mich gut erinnern als ich diese drei Monate gewartet habe auf das Endokrinologische Gutachten und die anschließende Hormonfreigabe. Das war am 17.02.17. Die schlimmste Zeit, also die starken Stimmungsschwankungen sind hoffentlich vorbei, oder nicht mehr so schlimm. Seit Tagen schwebe ich auf einer positiven Welle. Der Transalltag ist eigentlich keiner mehr der die Bezeichnung verdient. Ich lebe fast schon ein stinknormales Leben, wäre da nicht der Kampf gegen deutsche Behörden und das Beamtenmikado (wer sich zuerst bewegt, verliert).

Jedenfalls fühle ich mich gut. In Graz haben mich wieder Typen angebaggert, ich habe auf Lovoo und OKCupid Profile erstellt und eine reglerechte Flut an männlichen Sympathien ausgelöst. Auch waren die Punker vor dem Spar in der Innenstadt von Graz sehr charmant zu mir: „Hallo die Dame, vielleicht etwas Kleingeld?“. So gefällt mir das. Ich komme fast die ganze Zeit als 100%ige Frau rüber. Einzig wenn man länger mit mir zusammen ist, sagen manche, fällt es auf, vlt. an der Stimme? Ich weiß es nicht so genau.

Auch die kümmerlichen Reste und der leichte Anflug eines bläulichen Schattens an der Oberlippe und dem Kinn sind mit der bereits 13. Laserbehandlung verschwunden. Etwa 2000 Euro habe ich jetzt in mein bartfreies Gesicht und Oberkörper investiert. Eine gute Investition!

Bewerte den Text

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WordPress spam blockiert CleanTalk.

Transition is Stephen Fry proof thanks to caching by WP Super Cache