Mit Testosteronblockern zur Schwäche? | 6. Monat HET

Starksein ohne Testosteronblocker!

Als ich noch der Mann war, der ich zu sein schien innerlich und äußerlich, habe ich viel trainiert. Besonders kräftig war ich nie. Meine Ausdauer war meine körperliche Stärke. Aber beim Klettern, wenn man jenseits des 7. Grades klettern will, dann braucht man auch etwas Kraft im Oberkörper. Nach dreijährigem Training mit drei wöchentlichen Klettereinheiten, Hanteltraining, Liegestütz und Joggen habe ich es geschafft, am 9. Grad zu kratzen. Dabei konnte ich ca. 25 Liegestütz und 30 Klimmzüge, wenn ich gut drauf war. Ich war stolz, zurück in der Vertikalen oder mit beiden Beinen auf der Erde. Und noch stolzer und zufriedener, wenn ich an der Wand hing und einen weiten Zug vollführte, und der auch gelang. Ich bewegte mich mit meiner Furcht und meiner Kraft am Felsen. Versuchte zu tanzen und Mann zu sein. Schwäche war, den Griff nicht zu bekommen, zu fallen. Stärke war, es von neuem zu versuchen, bis die Hände bluteten. Von neuem auf den Griff schnappen, der an den Kanten messerscharf war. Ich gab erst auf, wenn nichts mehr ging. So selbstzerstörerisch war der Mann in mir dann doch nicht.

Schwachsein mit Testosteronblockern?

Heute bin ich gemessen an damaligen Leistungen schwach. Im 6. Monat meiner HET. Ich nehme Pillen und muss dafür keine große körperliche Leistung erbringen. Die Kraft verschwindet. Letztens habe ich versucht einen Klimmzug zu machen. Ich komme mit dem Kinn beim ersten Zug knapp an die Stange. Nichts mehr mit rauf runter rauf runter. Dann lege ich mich hin in die Liegestützposition. Mit den Händen flach am Boden merke ich schon, dass ich nicht will, nicht kann. Ich versuche es aber trotzdem. Zittere. Und da, ich komme hoch. Eine Liegestütz geht. Das machen die Hormone mit einem. Nach sechs Monaten Testosteronblockern, ist die Muskelversorgung in schlechtem Zustand. Ich bin schwach. Aber ich fühle mich dennoch wohl. Mein Wohlbefinden übersteigt alles bisher an Gefühlen für mich dagewesene, ins unermessliche. Keine Kletterroute hätte mir dieses beständige Gefühl gegeben. Denn Klettern war temporär. Ein Ausflug, weg von mir. Als ich den Fels gelesen, und mir überlegt habe wie ich meine Finger und Füße daran sortiere, um zu gewinnen, war ich weit weg von Verena. War ganz nah am Vergessen. An der Kompensation. Das war aber die eigentliche Schwäche!

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