Transition Videolog | Im 6. Monat HET

Überschreiten von Grenzen

Nach etwa sechs Monaten Transition mit Testosteronblockern, Östradiol und Spironolacton, möchte ich meine Reise per Webcam festhalten. Transition findet nur einmal statt. In den richtigen Körper. Die Gesellschaft liegt falsch, wenn sie meint sie kann ihre Individuen kontrollieren. Gesetze dienen zum Schutz der Gesellschaft vor geistigem und körperlichem Schaden. Wer niemanden schadet mit seinem Tun in diesen zwei Punkten, darf tun und lassen was er will.

Ich überschreite die Geschlechtergrenze. Das tun ganz wenige. Der Übergang von einem zum anderen Geschlecht durch eine äußere Geschlechtsanpassung gehört mit zum schwersten was ein Individuum tun kann. Indem ich meine Seele glücklich mache, durchbreche ich Muster, Schablonen und das eng geschnürte Korsett der sozialen Vorstellungen. Und niemanden, absolut niemanden schade ich damit. Denk nach und vergleiche! Reflektiere und finde, dass ich wie ein Baum bin, der dem Kern seines Wesens folgt. Die Natur ist diskontinuierlich in vieler Hinsicht. Manche Tiere ändern während ihrer Adoleszenz ihr Geschlecht.

Und was ist mit der Gesellschaft? Sie legt dem Menschen, Frau und Mann, Steine in den Weg. Sich selbst entwickeln dürfen! Was wäre das für eine große soziale Revolte. Lasst die Kinder sein. Freut euch, wenn ein Kind zur Welt kommt. Was ist es Weiblein oder Männlein?Ist doch egal, es ist ein Mensch, der die Möglichkeit geschenkt bekommt sich zu entwickeln. Lasst es seine Freiheiten und schiebt das Spießertum beiseite, die Sozialkontrolle! Ach aber ich sehe schon, wie die Augen aufgehen und die Worte kommen! „Es ist ein Mädchen“. Steht dann im KARYOGRAMM: XX! Ja, dann wird gleich eingekauft, Mädchenkleidung, pink, süß. Und vielleicht liebt es das, vielleicht. Aber denkt nach, wenn ihr das Kind an der Hand vor dem Gang zur Spielwarenabteilung steht.

Pink und Blau. Da müssen wir alle hinein. Sagen die Menschen. Einfache traurige Menschen, verbissen und gefangen in den Mustern und Schablonen. Eine Reihe von Gesetzen schließt euch ein. Und ihr merkt nicht einmal, dass ihr traurig seid. Platons Höhle ist Wahrheit. Ich war in ihr, ich habe die Schatten gesehen! Jetzt sehe ich die Sonne, das Feuer, das die Schatten zur Existenz verholfen hat.

Ich verabschiede mich von euren Vorstellungen und trete über in mein Leben. Niemand mehr, der mir sagt was ich zu tun hab. Eine Befreiung. Meine Brücken meine vielen Wege brennen jetzt. Ich setzte sie in Brand, sie waren Illusion. Den einzig gangbaren Weg habe ich immer gemieden, bis zum 22.10.2016. Danke, vielen Dank an all diejenigen, die mir das Leben verbieten wollten. „Iiiihhh, lange Haare dürfen nur Mädchen tragen!“ „Wäääähhh, zieh dir diese engen Klamotten aus! Hier trägt Mann weite Klamotten, Baggy Pants“. Ich sage, was Mann tut und macht ist mir wurscht. Kümmere dich um die Dinge, die dir am Herzen liegen und die du so lange vernachlässigt hast.

Der Link zu meinem Video. Der sechste Monat HET!

Baltasar Gracián. Ein spanischer Philosoph und Aphorismenschreiber lebte im Barock des 17. Jahrhunderts. 400 Jahre später lese ich immer wieder seine Kurzzeiler. Gut gewürzt mit einer feinen Hingabe an die Wahrheit. Ein Edelmann auf der Suche nach Klugheit. In ihnen lese ich mich selbst.

Gerade die Wahrheiten, die uns am meisten angehen, werden stets nur halb ausgesprochen. Der Aufmerksame versteht sie ganz. (B. Gracián (1601 – 1658))

Verena folgt jetzt ihrer Wahrheit. Sie ist Künstlerin und weiß genau was sie tut. Im Video erklärt sie, wie sie zu ihren wichtigsten Einstellungen gekommen ist. Sie bespricht ihre Gemälde und was sie darin zum Ausdruck bringen möchte. Zeige das Schöne deiner Seele! Und lächle still in dich hinein.

Centre II (70×100, Acryl auf Leinwand) | Öffnungen im Dunklen (60×90, Öl auf Leinwand)

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