Outing | Reaktionen des Gegenübers |

Knapp zusammengefasst würde ich mir wünschen, dass bei einem Outing als Trans*, der- /diejenige keine Annahmen trifft, Urteile bildet und Unwissen, oder Halbwissen anwendet.

Am schönsten wäre einfach ohne Voreingenommenheit nachfragen, wie fühlt es sich für mich an, seit wann fühle ich so, warum habe ich nicht vorher schon was dagegen getan. Falls man sich selbst noch in großer Unkenntnis befindet, ein kleiner Test: was weiß ich über LGBT, was ist der Unterschied von Transvestitismus und Transsexualität? Worin liegen die Ursachen, was gibt es für wissenschaftliche Befunde und gab es das schon immer? Es steht alles im Netz, es gibt sofern man nicht in irgendeinem Niemandsland wohnt praktisch überall Internet und fast jeder hat ein Smartphone. Also kurz eintippen „Unterschied Transvestit Transsexualität“ fertig. Das ist sicher nicht zuviel verlangt, die meisten recherchieren ja bei jeder Gelegenheit nach einem unklaren Sachverhalt. Danke!

Also hier mein kleiner Leitfaden:

Und dann was die meisten verwechseln: Transvestitismus (von lat. trans: hinüber; vestire: kleiden) und Transsexualität (bezieht sich auf das GEFÜHLTE Geschlecht). Transvestiten fühlen sich als Mann / Frau ziehen sich aber gerne Klamotten des anderen Geschlechts an. Frauen habens da leichter, weil die Gesellschaft männlich bei Frauen eher akzeptiert als umgekehrt. Außerdem können Frauen im Prinzip alles anziehen. Ein Mann im Kleid gilt gleich als Perverser.

Also da ist ein deutlicher Unterschied. Und Transsexualität bezieht sich auf beide Geschlechter. Das sind keine Männer die gern Frauenkleider anziehen. Das sind Frauen, die mit männlichen Geschlechtsteilen geboren wurden.

Viele denken so. Siehe Video „Was wissen und denken Sie über Transsexualität“

Am besten man hört aufmerksam zu und versucht Gehörtes vielleicht ins Gespräch einfließen zu lassen. Oder man frägt nach, seit wann das so ist, wie man das merkt, wie es sich für einen selbst offenbart hat und warum man jetzt etwas dagegen tut.

Viele Reaktionen auf mein Outing, gingen in die Richtung von „Ich glaube, dass du….“ gefolgt von einer persönlichen, subjektiven Meinung. Glauben kann man viel, wenn man nichts weiß. Es ist schwierig für beide Parteien. Wenn man normal auf die Welt kommt fängt man auch nicht an, zu fragen warum Frau X auf Männer steht oder wenn man homosexuell auf die Welt kommt, fragt ja auch keiner warum man auf das gleiche Geschlecht steht. Trans* hat übrigens nichts mit sexueller Orientierung zu tun, ganz einfach erklärt, sonst gäbe es keine Homosexualität! Ich bin lesbisch, andere wiederum sind hetero. Es ist ja im Prinzip völlig egal was man ist und worauf man steht, solange man keinen anderen damit schadet. nur möchte ich es jetzt abschließend erklären und Verständnisproblemen entgegen gehen.

Wer einmal kurz in seinen Ethikunterricht zurück reist, der stößt auf folgende Maxime von Immanuel Kant:

Der kategorische Imperativ von Immanuel Kant lautet (in einer seiner verschiedenen Versionen): Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.

Dieser Satz ist der Versuch, einen Maßstab für gerechtes Handeln zu finden.

(Quelle: http://www.zeit.de/2000/02/NOCH_MAL_VON_VORN_WAS_BEDEUTET_DER_KATEGORISCHE)

Das bedeutet für mich, solange ich keinen Schaden zufüge mit meinem Verhalten, kann ich tun und lassen was ich will. Wenn ich durch diese Seite anderen Trans*-Menschen irgendwie helfen kann, sich zu outen oder sich darauf vorzubereiten wie sich das Leben in der Transition anfühlt. Dann ist das für mich gerechtes Handeln. Helfe anderen, schade niemanden. Zu sehr philosophisch will ich nicht werden sonst habe ich keine Zeit mehr mich zu schminken…

Es geht mir also nicht darum jmd. zu überzeugen. Ich selbst bin überzeugt, das muss reichen. Das ist mein Körper, das ist mein Leben.  Das einzige was ich wirklich bis an mein Lebensende besitze. Wenn ich wieder Erde und Staubkorn bin, fragt kein Mensch mehr was ich gemacht habe in meinem Leben. Ich will einfach nur die gleichen Chancen haben wie die normalen Menschen und ein glückliches Leben führen können.

Ob man mir glaubt oder nicht, keiner kann in mir Seiten aufschlagen und lesen. Ich habe 1000e Seiten geschrieben während der Pubertät und danach, habe viele viele Tagebücher geschrieben und wenn ich äußerlich versucht habe Mann zu sein, was euch jetzt eben so verwirrt, dann habe ich im Geheimen meine Träume ausgelebt und mich als Frau gezeichnet.

Manchmal hat nach dem Outing mein Gegenüber ein sehr weibliches Merkmal an mir ausfindig gemacht und daraufhin versucht für sich etwas abzuleiten z.B. fing es folgendermaßen an: „wahrscheinlich weil du…“ und jetzt Auswahl von z.B: „sensibel bist“, „keinen Fußball mochtest“ einfach auf „weibliche Klamotten stehst“. Ich renne nicht im Minikleid herum damit ich mich weiblich fühlen kann. Ich trage Jogginghose und ein Top und fühle mich weiblich. Zum Unterschied, hört man einem Gespräch von DragQueens und CrossDressern zu und einem Gespräch von TransFrauen sieht man den Unterschied. Jene reden über hohe Absätze mit Glitzer und flamboyante Kleider, alles überstilisiert und ins extrem weibliche getrieben, das sind wieder jene die dem Normalbürger auffallen und da das Außergewöhnliche, flammende besondere Wirkungen im Auge des Betrachters entfaltet werden unsere Gespräche überhört. Wir sind leiser. Wir wollen uns tagtäglich als Frau fühlen, ob in Hose und T-Shirt ohne Makup oder eben in mehr femininer Kleidung. Natürlich manche von uns übertreiben besonders am Anfang. Es staut sich viel an über die Jahre der Zurückhaltung und plötzlich steht man nur noch vor dem Spiegel und testet. Wir haben leider nicht die Zeit der weiblichen Pubertät erleben können. Ich selbst habe am Anfang auch viel Makeup drauf gehauen, ich sah teilweise wie ein Clown aus. Heute ist das wieder anders, seitdem der lästige Bart fast weg ist und meine Psyche und Physis sich in Richtung weiblich entwickeln, brauche ich keine Tonne Schminke mehr in mein Gesicht klatschten um mich weiblich zu fühlen. Das ist unglaublich befreiend.

Das mit der Sensibilität habe ich jetzt am allermeisten gehört, als Key-Factor für mein sog. „Frau sein wollen“. Nein, bitte, ich kenne jemanden einen lieben Mann, der hochsensibel ist, Fußball, Aggressivität und Gewalt ablehnt und der Mann ist 100% Mann, würde ich ihm die HET geben, der würde verrückt werden. Er würde doch nie sich dem ganzen anstrengenden Prozedere unterziehen, vom teuren Lasern, zur HET bis zur Amputation seines Schwengels! Umgekehrt kenne ich Frauen, die sind sowas von aggressiv mit vielen männlichen Eigenschaften, lieben Fußball, Saufen unglaublich viel Bier und sind gewalttätig. Nein das sind nicht unbedingt Transmänner! Ich kenne viele aggressive Furien, ohne Sensibiliät, die wollen aber doch nicht automatisch Mann sein. Bitte aufhören mit irgendwelchen Etiketten. Das nützt niemanden etwas.

Hier ein kleines aber impressives Beispiel einer Frau, die sich ein Feindbild konstruiert hat und die anscheinend eine sehr schlimme Kindheit hinter sich hat. Für mich ist Tomy The Blaze, das Beispiel eines Menschen, der Aggressivität stilisiert hat und gegen alles ist, was nicht in ihre Normwelt hineinpasst.


 

Wie schön wäre es wenn jemand mal fragen würde, wie habe ich das eigentlich verarbeitet, als alles gleich von vornherein als Spinnerei abzutun oder als transvestitische Phase. Nochmal Transvestiten sind Männer, meist homosexuell, die Frauenkleider tragen, weil es ihnen gefällt keine Ahnung, sollen die Menschen machen was sie wollen. In diese Kategorie fallen auch Crossdresser, die aus Gründen des Nervenkitzels oder der Lust die Geschlechtergrenzen zu übertreten sich weibliche Kleidung anziehen und umgekehrt eben Frauen, die Männerklamotten tragen. Leider werden wir mit Crossdressern manchmal in einen Topf geworfen. Der große Unterschied: sie fühlen sich im richtigen Geschlecht, es ist nur temporäre Verkleidung, wir wollen aber ganz und für den Rest unseres Lebens Frau sein.

Ein paar letzte Zeilen

Wir sind nicht im falschen Körper geboren, unser Körper hat nur leider Geschlechtsmerkmale, die sich nicht mit dem psychischen Geschlecht decken. Deshalb lehne ich aber nicht meinen ganzen Körper ab. Z.B. liebe ich meinen kleinen Zehen, oder meine Beine, es ist kein falscher Körper.

Er will eine Frau sein. Sollte man nicht sagen, das Wollen impliziert, dass man sich das Geschlecht aussuchen kann. Bist du Cisgender und stehst aufs andere Geschlecht? Dann versuch dir vorzustellen du willst statt Frau Mann sein und auf Frauen stehen. Hmm schwierig, geht eigentlich nur unter schwerem Drogeneinfluss, also davon ist abzuraten.

Bitte nicht eigene Empfindungen mit meinen mischen. Ja auch du warst sensibel, auch du hast Fußball gehasst auch du hast mit Puppen gespielt…Aber du bist Mann ich bin Frau.

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