Zeit des Übergangs | Kurz vor der zweiten Entscheidung – Die Fahrt nach Málaga

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Die letzten Stunden seines Lebens brechen an

Die Menschen aus seiner Familie, der Stress, der jetzt von überall herkam, die viele Arbeit und das Trinken haben über lange Zeit an ihm genagt. Die folgenden Zeilen beschreiben den Moment des inneren Sturms, des Zusammenbruchs. An diesem Mittwoch den 20.10.2016 hat die Verzweiflung über das Leid, hat das Zuviel von allem, seine männliche Kontrollkraft verloren. Das war der entscheidende Auslöser für die Annahme meiner Transsexualität und für die Geburt von Verena zwei Tage später in diesem verschwitzten, kaputten Körper…

Im Oktober 2016 genau genommen am Samstag, den 22.10. ist mir etwas aufgefallen. Dass das Leben sehr kostbar und kurz ist. Das ist mir mit einer Wucht von einem Moment auf den anderen klar geworden. Ich saß im Auto und fuhr Richtung Málaga. Während einer langen Arbeitsphase, die angefüllt war von Erlebnissen, die gegen mein Innerstes schwappten. Wie Wellen, die von einer leichten Brise leicht erregt werden, mit der Zeit aber anwachsen, da die Wolken und der Wind täglich an Stärke und Gewalt zunehmen. So prallten gegen Ende einer 7-wöchigen Irrfahrt, in der ich versucht habe den Ansprüchen von vielen Menschen so gerecht wie möglich zu werden, während ich innerlich mit mir kämpfte, Wellen immer stärker gegen innere Wände…

Der Stress wächst von außen wie von innen

Ich konnte es nicht glauben. Ich fasste es nicht ganz. Es wurde mir wirklich mit jedem Tag schwerer gemacht. Als würde sich etwas gegen mich verschwören. Systematisch wurde ich zu Boden gedrückt. Und ich versuchte trotzdem anzukämpfen. Aufrecht gehen, sagte ich mir. Sei stark, zeige deine stolze Brust und gib nicht auf.

Als in der allerletzten Woche meine Oma ins Krankenhaus kam, erreichte mich diese Nachricht mit einem übereilten Kommentar: „sie würde bald sterben“. Panik erfasste mich, denn meine Oma wollte ich noch einmal sehen. Sie war die wichtigste Person in meiner Familie, sie war meine Mutter. Ich sagte ich könne nicht sofort kommen, ich muss diese Reise zu Ende führen. Dann wurden mir Vorwürfe gemacht, ich denke nur ans Geld und an meine Karriere.

Alkohol als letzter Trost

Ich ging in eine Bar und betrank mich. Ich trank zuerst einen Whiskey, dann noch einen. Darauf trank ich einen Veterano, der Klassiker, in der Not. Daraufhin wurde mir langsam schwindlig, denn ich hatte nichts gegessen und ein seltsames Gespräch mit meiner Schwester gehabt, die mich später anklagen sollte, weil ich mich nicht um meine Oma kümmern würde. Also trank ich noch ein paar Bier und torkelte anschließend ins benachbarte Hotel. Für den Abend sagte ich alle Kommunikation mit den Menschen ab, die mich teilweise als ihren Sklaven ansahen. Es waren auch sehr liebe Menschen dabei. Nur ich wollte niemanden mehr sehen.

Den Abend verbrachte ich dann hinter verschlossenen Fenstern und war in meiner Trauer gelähmt. In der Woche in der ein Kind neben mir fast gestorben war und dessen Eltern von einer unmenschlichen Kälte gegenüber ihrem eigenen Kind und gegenüber mir waren, in der Woche in der ich mit einem arroganten überheblichen Kollegen arbeiten musste, der mir täglich das Leben erschwerte, in der Woche in der meine Oma ins Krankenhaus kam und mir Vorwürfe gemacht wurden, in dieser Woche plante ich wie ich die Zeit verbringen wollte, die am 22.10.2016 beginnen wird. Ich sah mich die spanische Küste entlang fahren alleine mit Zeit für das Meer und Entspannung. Mehr sah ich bislang nicht. Das Meer und die Ruhe.

Geburt von Verena

Hinter den verschlossenen Fenstern in einem spanischen Dorf, sagte ich mir also, wenn das vorbei ist, wenn ich alle Verantwortung abgebe. Dann miete ich mir ein kleines Auto für vier Tage und egal was kommt, ich werde davon nicht abweichen. Vier Tage nur ich und das Auto. Bis dahin muss ich allerdings noch 3 Tage warten. Drei lange Tage voll mit frechen Menschen und der eigenen brutalen Entfremdung.

Samstag der 22.10.2016, dies wird ein Tag in dem ich neu beginnen werde…und zwar mit etwas ganz tief verborgenem…

Nur noch drei Tage. Und ich hatte keine Ahnung von dem was über mich kommen würde…null Ahnung, doch innerlich bereitete sich etwas vor, dass sich vor mir verbarg, vor dem vermeintlich glücklichen und starken Andreas…

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